Was man diesen Winter in Trenčín, der Europäischen Kulturhauptstadt 2026, machen kann

Feb. 1, 2026 | Reisen

Diskussionen in kleinen Galerien, gemütliche Cafés und Retro-Idylle erwarteten mich an einem Januarwochenende in Trenčín, der europäischen Kulturhauptstadt für 2026. Mein Heimatland hat dieses Jahr die Ehre, das Zentrum des Kulturgeschehens zu werden, und deshalb bringe ich euch ein paar Tipps von meinem Ausflug mit. So könnt ihr bei einem möglichen Besuch das Beste aus eurem Aufenthalt herausholen.

1. Genießt den Winter, solange es noch geht

„Gehen Sie zum Eishockey!“ lautete die spontane Antwort der Mitarbeiterin in der Galerie M.A. Bazovského, als ich wissen wollte, wie man die Wintermonate in dieser nordslowakischen Stadt am besten nutzen kann. Auch ich bin beim Googeln vor meiner Reise auf Eishockey gestoßen, als ich nach Möglichkeiten zum öffentlichen Eislaufen gesucht hatte. Das örtliche Stadion P. Demitru bietet neben regelmäßigen Spielen und Trainings auch öffentliche Eislaufstunden an (leider ohne Schlittshuhverleih).

Bar Hasič, entlag der man am besten an den Fluss kommt.

Natürlich wird kaum jemand einen Tagesausflug nur wegen ein paar Stunden im Stadion unternehmen, aber Eislaufen gehört in den kalten Monaten in Trenčín offensichtlich dazu. Bereits am Eingang zur Fußgängerzone, direkt hinter dem Banner „Trenčín 2026“, kamen mir zwei Jungen mit Schlittschuhen entgegen. Als ich danach am Fluss Váh entlangging, war mir klar, wohin sie wollten. Auf dem zugefrorenen Ufer auf der anderen Seite auf der anderen Seite jagte eine Gruppe von Teenagern den Puck über das Eis. Sogar ein vorbeikommendes Paar kommentierte dies mit den Worten: „Da waren wir letztes Mal auch, stimmt’s?”

Wenn es Schnee gibt, geht man neben dem Eislaufen laut der Dame aus der Galerie auch zum Schlittenfahren auf den Hügel unterhalb der Wohnsiedlung Juh. Auf meiner Kulturreise hatte ich nicht vor, Wintersport in mein Programm aufzunehmen, aber dank meines Spaziergangs am Fluss mit Joggern, Müttern mit Kinderwagen und Jungs auf dem Eis habe ich wenigstens ein einheimisches Gefühl bekommen.

Wenn ihr nur einmal nach Trenčín fahrt, ist auch die oben thronende Burg einen Besuch wert. Da ich hier schon mehrmals in meiner Kindheit war, konnte sie diesmal für mich sehr gerne wegfallen.

2. Wärmt euch in Cafés auf

Wenn euch der Spaziergang zur Burg, entlang des Flusses oder durch die Gassen des Stadtzentrums genug abgekühlt hat, ist es Zeit, sich aufzuwärmen. Bei der Vielzahl an Cafés und Restaurants rund um den Mierové Platz ist es wirklich ein Vergnügen, eins auszuwählen. Ich landete bei Paddock, dessen klares Design mich schon von außen angesprochen hatte. Obwohl sich das Interieur nicht wesentlich von den meisten neuen Cafés in größeren Städten unterschied, gab es hier zumindest hotte Typen und einen ausgezeichneten Punsch in einem Emaillebecher. Die Kellnerin hat sogar nach meinem Ausweis gefragt, wodurch ich hier um fast ein Jahrzehnt verjüngt wurde.

3. Erlebt die Kunst hautnah

Auch wenn Trenčín nur eine größere Galerie hat, werdet ihr bestimmt auf eure Kosten kommen: Zum Zeitpunkt meines Besuchs fanden gleich drei Ausstellungen und ein Malworkshop statt. Nicht zu vergessen sind auch die kleineren Galerien Nová Vlna und For Maat, auf die ich im nächsten Punkt noch eingehen werde.

„Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, dass wir einen Teil der Ausstellung in Beschlag genommen haben“, sagte eine der Mitarbeiterinnen, als sie sich zu ihren Kolleginnen mit Kindern und Essen in der Kinderecke im Ausstellungsbereich im Erdgeschoss gesellte. „Aber was soll’s, wir sind doch Teil des Erlebnisses!“, lachte die andere. Und in gewisser Weise hatte sie Recht – im Erdgeschoss der Galerie war nämlich eine Fotoreihe “Architektur der Gemeinschaftsbildung” über ein ehemaliges Kinderheim zu sehen. Im Kontrast zu den Geschichten über den Verlust des Zuhauses und den Einfluss der Umgebung auf die Persönlichkeit hinterließ dieses spontane Zusammenkommen einen sehr echt authentischen Eindruck.

An der Kasse traf ich dann einen Herrn aus Deutschland, dem ich beim Dolmetschen half – er wollte unbedingt wissen, warum es in der Ausstellung von Rudolf Uhler keine Skulpturen aus Stein, sondern nur aus Holz und Ton gab. Auf meine Frage, was ihn in die Galerie geführt hat, antwortete er, dass es zum einen sein eigenes Interesse an Kunst sei und zum anderen sein Unternehmen, dessen Sitz sich in dieser Region befindet. „Ich bin also nicht ausdrücklich wegen der Kulturhauptstadt hier… Wobei, ich muss zugeben, dass es in den letzten Jahren sichtbar eine positive Entwicklung gegeben hat“, erklärte er und verwies auf einige Boutiquen und Schneidereien, die in den letzten Jahren in der Stadt eröffnet wurden.

4. Mit heimischen Kunstschaffenden in den Austausch treten

Meine Begegnung mit dem Herrn in der Galerie war nicht der einzige Moment, in dem ich dank der Kunst in Trenčín mit Einheimischen in Kontakt kam. Wenn ihr die Website Trencin2026.EU besucht, findet ihr fast wöchentlich Ausstellungseröffnungen, Führungen, Konzerte und andere Veranstaltungen, von denen ich auf jeden Fall das Eröffnungswochenende hervorheben möchte. Von Freitag, dem 13.2., bis Sonntag, dem 15.2., verwandelt sich die Stadt laut des Werbetextes in eine große Bühne, auf der die Eröffnung des Kulturjahres in den Straßen, auf den Plätzen, in den Clubs und Schulen gefeiert wird.

Ich habe beispielsweise an der Eröffnung der Ausstellung Infinity Countdown in der Galerie For Maat und an einer Führung in der Galerie Nová Vlna teilgenommen, die anhand einer Fotoserie einen sehr interessanten Blick auf das Phänomen der Erinnerung, des Vergehens der Zeit und unseren Umgang damit bot.

5. Industrielle Architektur bei Tageslicht bewundern

Einer der Vorteile (oder Nachteile) der Wintermonate in der Slowakei ist, dass man meist mit bewölktem Wetter rechnen kann, was sich hervorragend für die Fotodokumentation lokaler Industriegebäude eignet. Ich bin weder ein Experte für Fotografie noch für Architektur, aber ein strahlend blauer Himmel beim Fotografieren außergewöhnlicher Fassaden kann mich immer wieder aufregen. Im Winter muss man sich darüber keine Sorgen machen und auch nicht bis zur Dämmerung auf halbwegs gutes Licht warten.

Auf das Gebäude auf Štefánikova-Straße bin ich ganz zufällig bei meinem Spaziergang in der Umgebung des Bahnhofs gestoßen. Da das Informationszentrum im Winter an den Wochenenden geschlossen ist, weiß ich leider nicht genau, wann das Gebäude vollständig abgerissen wird. Bisher passt es jedoch ganz gut ins Bild einer slowakischen Stadt mit kommunistischem Erbe.

Ebenso verblüffte mich das brutalistisch aussehende Haus der Armee, das sich unweit der Fußgängerzone befindet. Laut ChatGPT ist dieses Gebäude eines der bedeutendsten Beispiele der Spätmoderne in der Slowakei und diesen kalten Januartag in Trenčín hat es einfach gut ergänzt.

Filip

Student, Sprachennerd, Expat

Ich helfe Lernenden und Tutoren das Beste aus ihrem Einzelunterricht rauszuholen.