“Du bist jung, also solltest du das Beste daraus machen”
Nein, ich gehöre nicht zu denen, die fürs Streichen der Kurzstreckenflüge protestieren und den sauteuren Zugverkehr pushen. Die Idee, mit dem Zug nach Paris zu fahren, kam mir, nachdem ich am Black Friday ein Interrail-Ticket gekauft hatte, eine Fahrkarte für alle europäischen Züge für junge Leute unter 28 Jahren. Plötzlich bot sich die Möglichkeit, die meisten meiner Traummetropolen zu erobern, und da französische Museen für Menschen unter 26 Jahren gratis sind, gab es nichts zu überlegen. Paris sehen und dann kann ich beruhigt sterben, oder wie auch immer man das sagt.
Ganz schön durchdacht
Ich bin gleich zweimal nach Paris gereist (beim zweiten Mal hatte ein Mann seine Finger im Spiel😏), und somit kann ich diese Reise hinsichtlich Auslastung, Verspätungen und Gesamterlebnis vergleichen. Beginnen wir mit dem größten Vorteil, nämlich dem enormen Komfort der Verbindung. Wäre ich mit dem Flugzeug gereist, hätte ich x Kontrollen durchlaufen müssen, und das zwei Stunden vor Abflug. So reichte es, ein paar Minuten vor Abfahrt am Bahnsteig zu sein, dem Schaffner das Ticket zu zeigen, und niemand mischte sich weiter ein.
Der Zug fuhr vom Wiener Hauptbahnhof ab, also quasi fast vor meiner Haustür, und endete in Paris am Bahnhof Gare de l’Est. Dieser Bahnhof liegt nicht nur in einer schönen, flanierbaren Umgebung, sondern ist vor allem viel näher am Zentrum als der 80 km entfernte Flughafen Beauvais, den beispielsweise Ryanair anfliegt. Der dritte Vorteil sind die relativ günstigen Abfahrts- und Ankunftszeiten. Der Nightjet 468 fuhr kurz nach 18 Uhr ab und kam kurz vor 10 Uhr an, sodass ich nicht so viele Unterrichtsstunden ausfallen lassen musste. Einmal kamen wir mit einer Stunde Verspätung an, das andere Mal sogar pünktlich, was bei einer solchen Fernverbindung wirklich beachtlich ist.
Ich packe meinen Koffer und nehme mit…
Im Rahmen meines Interrails bin ich schon etwa 20 Mal über Nacht gereist und habe dabei schon einiges Interessantes erlebt – von kleinen Dramen im Gang bis hin zu einer Mitreisenden, die unser Abteil aus Angst vor Dieben mit ihrem eigenen Schloss verriegelte. Aber nichts, was man nicht schaffen könnte. Neben einer Schlafmaske (ich bin ziemlich empfindlich für Morgenlicht) hatte ich vor allem einen Verteiler dabei, denn für die Generation Z ist es ja undenkbar, so lange mit einem leeren Handy oder Laptop fest zu hängen. Normalerweise gibt es in einem Abteil zwei Steckdosen an den Fenstern, daher fand meine Idee bei den anderen Fahrgästen großen Anklang. Wegen meines Verteilers wurde ich sogar mit meinem Spanisch in die Enge getrieben, als ich einem mexikanischen Paar um 1 Uhr nachts erklären sollte, dass der Verteiler funktioniert, aber der Strom je nach Zuggeschwindigkeit schwankend ist.Coole Mädels und ein lowkey Homophob
Meine sprachliche Herausforderung war nicht das einzige Erlebnis, an das ich mich von meinen Reisen nach Paris erinnere. Gleich auf meiner ersten Reise hatte ich das Glück, einen hotten Herrn mit braunem Bart und runder Brille im Abteil zu haben (meine Freunde wissen, dass er damit gleich zwei von fünf Kriterien erfüllt!). Außerdem trug er einen halbformellen Look mit karierter Hose, die seine Oberschenkel gefährlich betonten. In Salzburg stieg dann noch ein Mädchen zu, sodass es zwar zu keinem „Call Me by Your Name”-Moment kam, aber zumindest konnten wir drei uns über je zwei Sitze ausstrecken.
Praktische Infos
- Im Februar 2025, als ich reiste, verkehrte der Zug dreimal pro Woche aus Wien, und ich nahm die Verbindung am Donnerstagabend hin und am Montagabend zurück.
- Im Rahmen der Black Friday-Aktion (die übrigens auch dieses Jahr bis Mitte Dezember läuft) habe ich für 315 € einen Global Pass gekauft, mit dem man innerhalb von zwei Monaten 15 Tage lang reisen kann. Der Pass muss innerhalb von elf Monaten ab Kaufdatum aktiviert werden. Dieser Preis gilt für Personen unter 28 Jahren, frühere Jahrgänge zahlen pro Ticket um 100 € mehr.
- Es fuhr ein langer Zug nach Paris und Brüssel, der sich nachts bei Mannheim teilte und gleichzeitig mit dem Nachtzug nach Berlin gekoppelt wurde.
- Zwischen Straßburg und Paris gab es keinen Halt, daher war hier nur das Aussteigen (Hinfahrt) und Einsteigen (Rückfahrt) erlaubt.

