Ich bin heuer 25 geworden. Diese 5 Dinge haben mich am Erwachsenenleben am meisten überrascht.

Dez 31, 2025 | Lifestyle | DE

Nach 2025 habe ich offiziell einen Grund für eine „Quarter-Life-Crisis”, da ich jeden Tag näher an die 50 herankomme als an meine goldene Ära in Stramplern. Deshalb ist es an der Zeit, ein wenig zu philosophieren und euch ein paar Perlen mitzuteilen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe. Hier sind 5 Dinge, die mich in meinem ersten Vierteljahrhundert auf diesem Planeten am meisten überrascht haben:

1. Einsamkeit

Schon seit meinem dreizehnten Lebensjahr träumte ich davon, unabhängig zu werden und von zuhause abzuhauen, und auch heute noch steht die eigene Autonomie weiter oben in meinem Wertesystem. Als ich meinen ersten Mietvertrag für einen eigenen Wohnraum unterschrieb, rechnete ich damit, dass es auch schwierige Momente geben würde, mit denen ich mich allein stellen müsste. Ich stellte mir das jedoch etwas romantisch, vielleicht sogar heroisch vor – ich werde mal krank und keine Mutter wird mir Paracetamol geben oder mir etwas zu essen kochen, stattdessen werde ich es mit Fieber still und leise aushalten.

Die Angewiesenheit an mich selbst traf mich jedoch in einer anderen Form – man kehrt abends in eine leere Wohnung zurück, niemand wartet dort auf einen; auf Telefonate mit der Familie oder Freunden hat man allerdings keine Lust. So verbringt man irgendwie Wochenende für Wochenende mit seinen Gedanken. Es ist nicht so, dass es mir zu gut ginge und ich deswegen nichts zu tun hätte. Aber selbst in erlebnisreicheren Wochen, in denen ich genug soziale Kontakte hatte, gibt es Momente, in denen ich es nicht mit mir selbst aushalte.

 

2. Wie sehr Geld das Leben erleichtert

Nein, ich träume noch nicht von der ersten Klasse. Ich muss aber sagen – Direktflüge ohne komplizierte Umstiege, Sitzplatzreservierungen oder sogar Taxis, dank denen man den früheren Zug erreicht, haben mir langsam klar gemacht, dass Geld wohl wirklich die Welt regiert.

Es ist nicht so, dass ich zu denen gehöre, die alles umsonst haben wollen. Aber wenn man zum Beispiel nicht kochen muss, oder neben dem Studium bzw. am Wochenende nicht zu arbeiten braucht, geht man mit ein bisschen mehr Leichtigkeit durch das Leben. Oder man hat einfach andere Prioritäten und einen besseren Umgang mit Geld als ich😄

 

3. Wie sehr mich meine Vergangenheit beeinflusst hat

Mein schwieriges Verhältnis zu Geld stammt zum Teil aus meiner Kindheit, als meine Mutter mich immer in 3 verschiedene Geschäfte schickte, um die Preise für Schinken zu vergleichen, während ich die anderen Kinder beneidete, die sich Süßigkeiten ihrer Wahl in den Einkaufskorb legen durften. Als ich später über einige meiner finanziellen Entscheidungen nachdachte, war ich überrascht, wie viele davon auf Annahmen aus meiner Kindheit beruhten (entweder war ich ein schrecklicher Geizhals oder ich musste durch impulsive Einkäufe etwas kompensieren).

Die Klassenzugehörigkeit war dabei nicht der einzige Parameter, der mir bewusst machte, dass wir nicht alle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Auch das Aufwachsen auf dem Land hat seinen Teil dazu beigetragen. Ich erinnere mich an einen Moment, als mir ein Typ aus Wien bei einem Date ein Foto von sich mit 16 zeigte, auf dem er eine Stofftasche und die weißen Kopfhörer mit Kabel aus den 2010ern trug. Im Hintergrund lief gerade eine Schallplatte einer mir unbekannten Künstlerin (ich glaube, sie war gar nicht mal so alternativ), und ich fühlte mich mit meinem Mainstream-Pop à la Radio Kronehit plötzlich fehl am Platz. Ich würde mich damals nicht als „schlechter” oder weniger cool bezeichnen, es hat mich jedoch überrascht, wie unterschiedlich wir sind.

Und wir könnten noch weitermachen – auch in meinem dritten Lebensjahrzehnt werde ich immer wieder von Momenten verblüfft, in denen ich meine Selbstwahrnehmung, die Rollenverteilung in der Gesellschaft oder meinen Humor jemandem aus meinem Elternhaus, von Freunden aus der Schule oder von zufälligen Bekannten aus Ferienlagern und Kursen zuschreiben kann.

 

4. Wie sehr mich Politik beeinflusst

Als ich etwa 23 Jahre alt war und mich schon einigermaßen in meinem Beruf eingelebt hatte, begann ich, mich selbst ernster zu nehmen. Plötzlich konnte ich sagen, dass in der Zeitung auch mal Blödsinn steht, oder die Leistung einer Schauspielerin im Theater würdigen und mir denken, dass ich auch so sein möchte. Ich sah mich nicht mehr als „ich gegen den Rest der Welt“, sondern eher als Teil davon, in Interaktion mit anderen.

Und manche von unseren Mitmenschen haben manchmal einen ziemlichen Einfluss auf unser Leben, oder? Den Einfluss der Politik spürte ich langsam nicht nur durch irgendeine Sensibilisierung für alle möglichen Skandale und verachtenden Äußerungen aus dem Parlament. Sondern eher über die praktische Seite – durch höhere Steuern oder die fehlende Möglichkeit, eine Ehe mit einem Menschen meiner Wahl einzugehen, weil „Slowakei noch nicht bereit für die Ehe für alle ist“. In einer Zeit, in der ehemalige Klassenkameraden heiraten und Familien gründen, tut das ziemlich weh.

 

5. Menschen verhalten sich nicht immer so, wie man es erwarten würde

Vielleicht bin ich noch naiv, aber es erstaunt mich immer, wenn jemand lügt oder nicht zu seinem Wort steht. Es ist mir auch klar, dass man nicht mit jedem harmonieren muss, aber wenn jemand von vornherein gemein zu einem ist, kann ich das irgendwie nicht nachvollziehen. Und damit beende ich wohl meine tiefgründigen Gedanken zum ersten Vierteljahrhundert. Auf eine strahlende Zukunft!

Filip

Student, Sprachennerd, Expat

Ich helfe Lernenden und Tutoren das Beste aus ihrem Einzelunterricht rauszuholen.